Landeshaushalt 2027: Lebt das Land auf Kosten der Zukunft?
Shownotes
Der Regierungsentwurf für den Landeshaushalt 2027 verbindet notwendige Investitionen mit schwierigen Einsparungen. Finanzminister Danyal Bayaz erklärt, wie Baden-Württemberg mit früheren Überschüssen, Konjunkturkrediten und geringeren Zuführungen zum Pensionsfonds finanzielle Lücken schließen und Kommunen unterstützen will. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum er weniger Vorsorge für morgen derzeit für vertretbar hält – und weshalb das keine dauerhafte Lösung sein kann.
In „Finanzen BW: Das Briefing“ ordnet Finanzminister Danyal Bayaz regelmäßig aktuelle finanzpolitische Themen kurz und verständlich ein und wirft einen Blick darauf, welche Bedeutung sie für Baden-Württemberg haben.
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00:00:02: Finanzen
00:00:06: Herzlich willkommen zu Finanzen BW Das Briefing.
00:00:09: Mein Name ist Anja Bayers und ich bin Finanzminister von Baden Württemberg.
00:00:13: Worum geht es?
00:00:16: Er ist fertig, und zwar der Regierungsentwurf
00:00:19: für den Landeshaushalt 2027.
00:00:22: 72 Milliarden €.
00:00:24: Und jede Menge Schwerpunkte der neuen Landesregierung
00:00:27: und der grün schwarzen Koalition.
00:00:29: Jetzt ist es aber so, diese 72 Milliarden, die werden nicht jedes Mal
00:00:32: neu verhandelt, sondern viele Dinge werden einfach weiter finanziert.
00:00:36: Lehrerstellen. Polizeistellen.
00:00:38: Die Steuerverwaltung. Der Gebäudeunterhalt.
00:00:41: Viele Angelegenheiten sind auch rechtlich verpflichtend.
00:00:44: Und fast 1/4 geht automatisch an die Kommunen.
00:00:47: und dann kommen natürlich die politischen Schwerpunkte einer Koalition ins Spiel.
00:00:52: Dafür braucht es in der Regel auch zusätzliche Mittel.
00:00:54: Oder man muss im Haushalt umschichten.
00:00:56: Und in der Vergangenheit war das auch oft gut möglich,
00:00:59: weil die wirtschaftliche Lage so stark war,
00:01:01: dass einfach zusätzliche Steuereinnahmen das möglich gemacht haben.
00:01:04: Diesmal sind wir einer anderen Situation.
00:01:05: Wir müssen nämlich erst mal Löcher stopfen.
00:01:08: Wir haben ein
00:01:08: gigantisches Milliardendefizit in unserer mittelfristigen Finanzplanung.
00:01:12: Und deswegen müssen wir erst einmal
00:01:14: dieses Defizit stopfen, bevor wir über neue Ausgaben überhaupt nachdenken können.
00:01:18: Und neben den Projekten der Koalition kommen
00:01:20: natürlich auch unsere Kommunen dazu.
00:01:22: Die Kommunen in Baden
00:01:23: Württemberg, so wie überall, durchleben gerade eine unheimlich schwierige Zeit.
00:01:27: Da geht es wirklich ans Eingemachte und deswegen ist es dringend angezeigt,
00:01:30: dass wir auch unsere Kommunen zusätzlich unterstützen.
00:01:34: Und um all das zu finanzieren,
00:01:35: müssen wir diesmal wirklich an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen.
00:01:39: Was heißt das genau?
00:01:41: Erstens Wir nehmen Teil der Überschüsse aus den letzten Jahren,
00:01:45: um diese Lücke zu schließen.
00:01:46: Zweitens Wir nehmen Kredite auf sogenannte Konjunkturkredite,
00:01:49: die wir in wirtschaftlich guten Zeiten auch wieder zurückzahlen müssen.
00:01:53: Drittens Wir treffen Einsparungen.
00:01:55: Es gibt Einsparvorgaben, die proportional auf die unterschiedlichen Ministerien
00:01:59: auch verteilt werden.
00:02:01: Und zu guter Letzt etwas,
00:02:02: was mich auch persönlich sehr bewegt hat, weil es nicht ganz einfacher Schritt ist.
00:02:06: Für den Finanzminister will ich in der Ehrlichkeit und Deutlichkeit sagen
00:02:09: Wir reduzieren die Zuführung zu unserem Pensionsfonds
00:02:13: und wir schöpfen sogar einen Teil der Rendite aus diesem Pensionsfonds ab.
00:02:20: Der Pensionsfonds.
00:02:21: Was ist das eigentlich?
00:02:22: Der Pensionsfonds ist dazu gedacht,
00:02:24: den Landeshaushalt bei Pensionsausgaben zu entlasten.
00:02:27: Wir haben 120.000 Pensionäre in Baden Württemberg und 200.000
00:02:32: Beamtinnen und Beamte.
00:02:33: Und wir haben dort die gleichen Herausforderungen wie die Diskussion um
00:02:37: die gesetzliche Rentenversicherung zeigen, nämlich, dass die Demografie zuschlägt.
00:02:41: Dass die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer, jetzt alle
00:02:44: zunehmend in den Ruhestand gehen und um dort den Haushalt zu entlasten,
00:02:49: wurde in dem Versorgungs vor zunehmend Geld angespart,
00:02:53: um heute auch diese lasten tragen zu können.
00:02:55: Ja, und wenn wir die Zuführung zu diesem Fonds jetzt zurückfahren
00:02:58: und sogar
00:02:59: einen Teil der Rendite dort abschöpfen, dann ist ja klar, dass dieser Fonds
00:03:02: weniger wächst.
00:03:03: Das ist so, wie wenn ich privat Sparer bin
00:03:05: und einen monatlichen Sparplan zum Beispiel in ein ETF Produkt habe
00:03:09: und dann in einem Monat sage, diesen Monat zahle ich in diesen Fonds nicht ein.
00:03:14: Und insofern verzichten wir mit der Zuführung zum Versorgungsfonds
00:03:18: auf genau die Vorsorge, die wir
00:03:22: Und warum halte ich
00:03:23: trotzdem diesen Weg für verantwortbar?
00:03:26: Weil wir uns immer
00:03:27: wieder bewusst machen müssen, in welcher Zeit wir eigentlich leben.
00:03:31: Wir haben einen Wirtschaftsstandort, der enorm unter Druck ist.
00:03:34: Wir haben finanziell eine extrem angespannte Situation.
00:03:38: Ich habe gerade schon darauf verwiesen,
00:03:39: wie sehr unsere Kommunen unter Druck stehen.
00:03:42: Und auch bei uns im Land, in Baden Württemberg sind die Kassen
00:03:45: nicht mehr so ausgestattet, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war.
00:03:48: Aber wir wollen ja trotzdem investieren.
00:03:49: Wir wollen in die Kernaufgaben des Staates investieren, von der Sicherheit
00:03:53: über die Justiz zu Innovation, Forschung, Klimaschutz.
00:03:56: Die Dinge, die heute nicht nur im Kern die Gesellschaft zusammenhalten,
00:04:00: sondern auch Investitionen, die in Zukunft sich im wahrsten Sinne des
00:04:03: Wortes rechnen.
00:04:04: Und deswegen halte ich diesen Weg
00:04:06: für verantwortbar und ich halte ihn an der Stelle auch für notwendig.
00:04:09: Ich will aber auch sagen Das gehört zur Wahrheit mit dazu.
00:04:12: So eine Politik kann man natürlich nicht dauerhaft fahren.
00:04:16: Es braucht Vorsorge, Es braucht Generationengerechtigkeit,
00:04:19: auch bei unseren Finanzen, weil Nachhaltigkeit auch explizit Finanzen einschließt.
00:04:28: Und jetzt?
00:04:29: Jetzt ist es
00:04:30: so, dass ich diesen Regierungsentwurf im Landtag von Baden Württemberg einbringe,
00:04:33: und dann sind die Abgeordneten dran.
00:04:35: Das ist ja das Königsrecht, von jedem Parlament über den Haushalt zu beraten
00:04:40: und ihn selbstverständlich auch noch zu verändern
00:04:42: und am Ende zu beschließen und eine Wegmarke dahin,
00:04:45: eine wichtige Wegmarke, das ist die Steuerschätzung am Ende von diesem Monat.
00:04:49: Denn dann wissen wir ein bisschen genauer,
00:04:51: ob wir mehr oder weniger Steuereinnahmen zur Verfügung haben.
00:04:54: Ja, und wenn der Haushalt dann verabschiedet ist,
00:04:56: dann gilt wie beim Fußball Nach dem Haushalt ist vor dem Haushalt,
00:05:00: denn dann fangen schon die Vorbereitung für den Doppelhaushalt
00:05:03: für die Jahre 2028 und 2029 an und die finanziellen Herausforderungen?
00:05:08: Die werden nicht gerade kleiner, sondern sie werden eher größer.
00:05:11: Auch dort werden wir wieder gezwungen sein, schwierige politische Entscheidungen
00:05:15: zu treffen.
00:05:16: Ich will aber auch noch mal betonen
00:05:18: Jenseits von der Frage, ob man Kredite aufnimmt,
00:05:21: jenseits der Frage, wie man mit den Pensionsfonds umgeht,
00:05:24: jenseits der Frage, welche Einsparungen man trifft.
00:05:27: Der Königsweg heraus ist Wirtschaftswachstum,
00:05:30: eine prosperierende Wirtschaft.
00:05:31: Und das ist das Wichtige,
00:05:33: dass wir in diesem Land auch wieder Wachstum haben,
00:05:35: weil dann auch wieder Steuereinnahmen rausgehen.
00:05:37: Und das sollten wir bei all der Diskussion nicht vergessen.
00:05:43: Produktion des Finanzen BW - Das Briefing
00:05:44: ist eine Produktion des Finanzministeriums Baden Württemberg.
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